Modernes Boxen
Sportliche Übungen und Wettkämpfe lassen sich bei allen Völkern schon sehr früh
nachweisen. Kraft, Gewandtheit, Schnelligkeit, Ausdauer und Mut waren Voraussetzungen
für das tägliche Leben. Die heranwachsende Jugend und besonders die Männer übten sich
in verschiedenen Sportarten; bei kultischen Anlässen, Siegesfeiern oder Totenehrungen
fanden Wettkämpfe statt. Faustkämpfe unterschiedlicher Art wurden in vielen Gebieten
ausgetragen.
In China besitzt das Schattenboxen eine sehr alte Tradition, in Indonesien und auf den
Südseeinseln kannte man Faustkämpfe, lange bevor Europäer diesen Boden betraten.
Faustkämpfe wurden in Mittelasien und in der Kiewer Rus ausgetragen.Bis in das
3.Jahrhundert v.Chr. weisen Abbildungen von Faustkämpfen in altägyptischen Gräbern und
Tempeln, auch den Illyriern und Etruskern waren sie bekannt. Schon damals wandelte sich
der antike Faustkampf von der spielerischen Gymnastik zum athletischen Wettkampf.
Im 8.Buch des Pausanias sind die den damaligen Faustkämpfern angelegten drei Meter langen Riemen aus rohem Rindleder zum Schutz der Hände als meilischai (weich) bezeichnet worden.
Im zehnten Kapitel des Philostrados steht: Vier der Finger wurden in ein Riemengeflecht
gesteckt und ragten über dieses so weit hinaus, dass sie zusammengeballt eine Faust
bildeten. So wie Homer das Boxen schilderte, war es schon als Wettkampfsport seit den
23.Olympischen Spielen, 688 v.Chr., in das Wettkampfprogramm aufgenommen worden.
Bei den 41.Olympischen Spielen, 616 v.Chr., wurden erstmals Boxkämpfe für Jugendliche
ausgetragen. Bereits bei den antiken Olympischen Spielen galt es, möglichst geschickt
dem Angriff des Gegners auszuweichen und dadurch Verletzungen oder gar Schäden zu
vermeiden. Diese sind bis heute Hauptinhalte aller Diskussionen um den Boxsport geblieben.
Das Boxen, das den kraftvollen Einsatz des Menschen, blitzschnelle, kräftige aber zugleich
elastische Bewegungen forderte, den ganzen Körper ausbildete und formte, machte den Sportler zu einem durchgebildeten Menschen und entsprach damit dem griechischen Menschenbild jeder Zeit.
Gewichtsklassen bestanden nicht, lediglich eine Unterteilung in Männer und Jugendliche.
Die Kämpfe wurden nach allgemeingültigen Regeln ausgetragen, die leider nicht erhalten
blieben sind. Aus Darstellungen auf Vasenbildern ist zu entnehmen, dass die Schläge auf
Gesicht und Kopf gerichtet waren, Gerade, Haken und Schwinger sind typische Schläge.
Verteidigungshandlungen wurden ausgeführt, eine gute Beinarbeit wurde gelehrt. Zum Training gehörten Geräte, dem Sandsack und der Maisbirne ähnlich, bei den Übungskämpfen wurde ein Kopfschutz benutzt, das Schattenboxen war bekannt.
Viele Berichte über Boxer des 6. und 5.Jahrhunders v.Chr. spiegeln die Beliebtheit dieser
Sportart wider. Der berühmteste Boxer der Antike war sicherlich Diagoras, Sieger bei den
79.Olympischen Spielen 464 v.Chr. Von ihm., seinen Söhnen und Enkeln, alle Boxkampfsieger, waren Siegesstandbilder in einer Gruppe in Olympia aufgestellt. Im alten Rom war die Körpererziehung eindeutig militärisch orientiert. Das Boxen wurde Teil der militärischen Ausbildung junger Römer. Bei sportlichen Wettkämpfen blieben die Römer Zuschauer; Gladiatoren und Profis, meist Sklaven, waren vornehmlich die Aktiven.
Spiele wurden veranstaltet, um die Gunst der Massen zu gewinnen, ihre Schaulust zu
befriedigen. Schon in Griechenland, von Rom und seinen berüchtigten Gladiatorenkämpfen gar nicht zu reden, hat man die weichen Lederriemen in harte Kernlederstreifen
(Castus, von caedere = niederschlagen) umgewandelt. Damit war der ursprünglich aus
Verteidigung und Angriff bestehende Faustkampf zum aggressiven und zunehmend brutaleren Zweikampf geworden, der eine immer größere Gefahr für die Gesundheit darstellte. Dies wurde in der römischen Gladiatorenzeit weiterhin gesteigert, indem man die Kernlederstreifen mit spitzen Metallstacheln versetzte. Sieger war der Gladiator, der seinen Gegner schließlich niedergeschlagen hatte.
In der 33.griechischen Olympiade wurden Faustkampf und Ringkampf (Pankration) miteinander verschmolzen. Der ursprünglich auf Verteidigung und Abwehr angelegte antike Faustkampf hatte damit in seiner klassischen Form nur über zehn Olympiaden gehalten. Theodosius verbot die Olympischen Spiele im Jahre 393 n.Chr. Die christliche Kirche lehnte heidnische Körpererziehung und Wettkämpfe ab. Damit versiegen auch die Quellen über das antike.